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„Workation“ – TIPPS & Erfahrungen aus einem Selbstversuch in Südafrika

„Workation“ ist die Kombination aus „Work“ und „Vacation“. Die Idee klingt sehr reizvoll: Sie verbringen Zeit an einem schönen Ort, arbeiten dort, und verbringen somit auch gleich die freie Zeit in einer reizvollen Gegend. Es deutet einiges darauf hin, dass dieses Konzept ein zunehmend wichtiger Bestandteil einer Arbeitswelt werden wird. So zeigt sich auch bei vielen meiner Coaching-Kunden, dass eine „Workation“ hilfreich ist, um neue Perspektiven auf die Vereinbarkeit von Berufs- und Privatleben zu werfen und zu erleben.

Blick aus unserem Zimmer in Sedgefield (Südafrika, Garden Route) auf den indischen Ozean

Aufgrund beruflicher und familiärer Gegebenheiten hatten meine Frau und ich die Möglichkeit, dieses Konzept in einem 6-wöchigen Zeitraum Oktober-Dezember 2023 auszuprobieren. Wir wählten Südafrika als Region, da es einige positive Voraussetzungen für eine „Workation“ mitbringt:

  • Zeitzone nahezu identisch zu Deutschland

  • Gute (digitale) Infrastruktur

  • Schönes, aber moderates Wetter

  • Reizvolles Urlaubsland

Unsere Reiseplanung:

  • 2 Wochen in Kapstadt

  • 3 Wochen auf der „Garden-Route“ mit Aufenthalten in Hermanus, Wilderness, Jeffrays Bay, Addo Elephant Park, Prince Albert, Sedgefield, Gondwana, Stellenbosch

  • 1 Woche Kapstadt

Auch wenn man sagen kann, dass es eine großartige Erfahrung war und das "Workation"-Prinzip im Großen und Ganzen gut funktioniert hat, gibt es doch einige Erkenntnisse, die wir bei einer nächsten „Workation“ noch besser berücksichtigen würden:


Erfolgsfaktoren

1. Vorplanung: Festlegung von „Workation“-Aufenthalten

Wie in unserem Beispiel möchte man in Südafrika gerne mehr als nur Kapstadt kennenlernen. Es gilt daher in der Arbeits- und Reiseplanung klar zu definieren, an welchen Orten und an welchen Tagen man arbeiten wird. Die meisten Lokationen (Bed & Breakfast Guesthouses, Lodges, …) sind für einen Arbeitstag eher nicht geeignet. Unserer Erfahrung sind dies ausschließlich Mietwohnungen (z.B. über AIRBNB), in denen ein vollwertiger Arbeitstag möglich ist.

2. Voraussetzungen für einen „Workation“-Aufenthalt

Im Prinzip gelten hier die gleichen Voraussetzungen, die auch im Homeoffice wichtig für einen effizienten und angenehmen Arbeitstag sind. Und dies geht deutlich über ein funktionierendes WLAN hinaus:

Ausreichend & gute Arbeitsplätze

Die meisten Unterkünfte sind nicht für zwei Arbeitsplätze ausgelegt. Wenn man (wie wir) zu zweit reist, und die Freizeit gemeinsam verbringen möchte, ist parallele Arbeitszeit die Konsequenz. Man benötigt daher wie im Homeoffice eine entsprechende Anzahl Ausstattung an Arbeitsplätzen. Auch ergonomisch sollten diese Arbeitsplätze ausreichend gut ausgelegt sein, sonst drohen doch sehr schnell Nacken- und/oder Rückenschmerzen. In unserem Fall musste ich aufgrund des Meetingaufkommens hin und wieder in ein Café ausweichen - immerhin gibt es dort immer gutes WLAN - davon könnten sich deutsche Café-Betreiber sicherlich eine Scheibe abschneiden. Alternativ gibt es vielen Städten Co-Working-Angebote, die im Vorfeld der Reise eruiert werden sollten.


Gutes und stabiles WLAN

Die meisten Guesthouses und Lodges verfügen über WLAN. Dies ist jedoch in vielen Fällen (und Zimmern) alles andere als gut und/oder stabil.  Das sollte auf jeden Fall vor der Buchung validiert werden.


Weitere technische Voraussetzungen

  • Drucker / elektronische Signaturen: Früher oder später muss man dann doch mal etwas ausdrucken. Es sollte zumindest die Möglichkeit in der näheren Umgebung geben, mal etwas ausdrucken und unterschreiben zu können. In meinem Fall waren es z.B. diverse Vollmachten, die ich aufgrund der längeren Abwesenheit unterschreiben musste. Eine Alternative ist die Einrichtung einer elektronischen Signatur-Software, wobei auch die potenziellen Absender & Vertragspartner dafür eingerichtet sein müssen.

  • Strom / Load Shedding: In Südafrika kommt es aktuell zu täglichen, geplanten Stromabschaltungen (in unserem Fall waren das 2x täglich ca. 2 Stunden, mittags und abends). Diese Ausfallzeiten werden im Web kommuniziert. Für eine frühzeitige Planung der Stromausfallzeiten gibt es in Südafrika diverse Apps (best bewertet: Load Shedding Notifier) und Webseiten. Achtung: Nicht jede Unterkunft verfügt über einen Generator, um diese Zeiten überbrücken zu können.

  • Mobiles Netz:

    • Eine (neue) SIM-Karte von einem regionalen Anbieter

    • Eine Auslands-Flatrate des eigenen Anbieters Falls der eigene Anbieter solche Tarife gehört, kann die Rufnummer weiterhin verwendet werden. In meinem Fall war es Vodafone, das einen „Worldtarif“ mit hohem Datenvolumen zum monatlichen Festpreis von ca. 70 EUR anbietet (Mindestlaufzeit: 3 Monate!).


Dieses Thema sollte spätestens 1-2 Wochen vor Antritt der Reise entschieden und organisiert werden, da die Einrichtung von eSIM Karten einige Tage dauern kann und die Unterschiede (Preis, Verfügbarkeit, Volumen) je nach Reiseland erheblich sind. 


3. Planung und Abstimmung der täglichen Arbeitszeit / Freizeit

Es gibt zwei Konzepte, die je nach Arbeitsinhalten, Festlegungen des Arbeitgebers und eigenen Präferenzen in Frage kommen. Es sollte bewusst entschieden, für welches dieser Konzepte man sich bei welcher Station entscheidet:


Konzept 1: 

Vollständige Arbeitstage und vollständige Freizeit-/Reise-Tage: Je nach Arbeitsinhalten und Stressempfinden kann es sinnvoll sein, die Arbeitszeit auf vollen Arbeitstagen zu konzentrieren.


Konzept 2:

Kombinierte Arbeits-/Freizeit-Tage: Wenn es die Arbeitsinhalte und Festlegungen des Arbeitgebers zulassen, kann es auch schön sein, zum Beispiel von 8:30 bis 14:30 (also verkürzt und dafür an mehr Tagen) zu arbeiten, um dann am Nachmittag die Umgebung zu erkunden oder die Freizeitangebote zu nutzen.

Wichtig erscheint es mir, auch hier klare Entscheidungen im Vorfeld zu treffen und den Rhythmus sowohl mit dem Arbeitgeber, den Kollegen und dem/r Reisepartner: in abzustimmen.

 

Fazit:

Eine „Workation“ kann eine tolle Erfahrung sein und neue Perspektiven auf die Vereinbarkeit von Berufs- und Privatleben werfen - will aber sehr gut geplant sein.


Folgende Aspekte sollten dabei berücksichtigt werden:

  • Reiseland & -region

    • Genehmigung durch den Arbeitgeber

    • Versicherungsschutz, Steuerabkommen -entsprechend Aufenthaltslänge

    • Zeitzone

  • Arbeitstage / Reisetage und Arbeitszeiten

    • Festlegung der Arbeitszeiten in Abstimmung mit Arbeitgeber, Kolleg: innen und Reisebegleitung

  • Ausstattung und Technik:

    • Arbeitsplätze (Anzahl und Ergonomie)

    • Stabiles und gutes WLAN

    • Stromversorgung (Achtung: regions-spezifische Stromausfälle)

    • Drucker oder elektronische Signatur-Software

    • Mobiles Netz (Daten und Telefonie)

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